Thesen zur Holzversorgung in Deutschland

Geschrieben von Klaus am 22. November 2007 | Abgelegt unter Holz

Die Zahlen der Bundeswaldinventur 2 wurden 2004 vorgestellt mit dem Tenor, in Deutschland gäbe es ein großes Potential ungenutzter Rohholzreserven. Die Folgen:

  1. Die Holzbe- und –verarbeitende Industrien – die Zell- und Sägeindustrie – planen seitdem verstärkt Investitionsprojekte und haben einige davon bereits verwirklicht.
  2. Politiker haben die positive Ökobilanz von Holz erkannt und mit dem Hintergrund hoher Potentiale wurden Förderprogramme für Investitionen auf der Rohstoffbasis Holz aufgelegt.

Die Investitionsvorhaben und auch die Förderprogramme waren zu diesem Zeitpunkt richtig.

  • Mittlerweile ist durch die Studie von Professor Mantau bekannt, dass die offizielle Holzeinschlagstatistik einen Fehler in erheblicher Größenordnung aufweist. Prof. Mantau hat einen statistisch nicht erfassten Holzeinschlag in Höhe von 17 Mio. fm im Jahr 2005 festgestellt. Das sind fast 30 % des offiziell in der Statistik ausgewiesenen Einschlags in Höhe von 56,9 Mio. fm.
  • Prof. Mantau hat in einer Umfrage Ende 2005 weiterhin festgestellt, dass in Deutschland ca. 14 Mio. fm Waldscheitholz in privaten Haushalten thermisch genutzt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist ein Großteil dieser Menge das statistische nicht erfasste Holz.
  • Holz wird in Deutschland schon immer verbrannt, seit zwei Jahren ist aber ein deutlicher Boom festzustellen und im Jahr 2005 wurden in privaten Haushalten 20 Mio. fm Holz verbrannt (hierin erhalten sind neben Waldscheitholz auch Scheitholz aus Landschaft und Garten, Hackschnitzel, Holzbriketts und Holzpellets). Im Jahr 2000 wurde in privaten Haushalten ein Verbrauch von 11 Mio. fm festgestellt, so dass der laufende Boom unge-fähr eine Verdoppelung des Brennholzverbrauchs gebracht hat.
  • Parallel zum Brennholzboom in Privathaushalten wurde auch in Heizkraftwerke für Holz investiert und die holzbe- und –verarbeitenden Industrien investierten in Sägewerke und Holzwerkstoffanlagen. Die besser werdende Konjunktur hat zusätzlich zu einer besseren Auslastung der bestehenden Produktionsanlagen geführt. Der Holzverbrauch in der Zellstoff, Holzwerkstoff- und Sägeindustrie ist von 57 Mio. fm in 2002 auf 70 Mio. fm in 2005, also um ca. 23 % gestiegen.
  • Diese beiden Entwicklungen – steigende Industrieproduktion und Boom bei der Holzverbrennung – haben zusammen mit einem harten Winter 2005/2006 zu einer drasti-schen Marktveränderung in 2006 geführt. Seit dem Frühjahr 2006 ist eine bisher selten beobachtete Holzknappheit in Deutschland eingetreten.
  • Der bis jetzt anhaltende Nachfrageüberhang könnte sich durch einen noch einsetzenden Winter weiter verschärfen, weil beim Handel und bei der verarbeitenden Industrie kaum Läge bestehen. Die Industrie lebt quasi von der Hand in den Mund.
  • Trotz der derzeit schwierigen Marktsituation gibt es kein Grund zur Panik. Marktübertreibungen gibt es immer wieder und es bleibt zu hoffen, dass die „Landung nicht zu hart ausfällt“. Es hat sich auch in der Vergangenheit gezeigt, dass der mittelständische Roh-holzhandel in derartigen Situationen in der Lager ist, die benötigten Waren zu beschaffen. Es gibt Reserven im Kleinprivatwald, die mobilisiert werden müssen und auch der öf-fentliche Waldbesitz kann durch eine optimierte Nachhaltigkeit zusätzliche Mengen zur Verfügung stellen. Diese Prozesse können allerdings etwas dauern.
  • Wir sind allerdings optimistisch, dass die Marktkräfte für einen Ausgleich zwischen Nach-frage und Angebot führen werden und sich die Situation wieder entspannt.

Forderung an die Politik

Angesichts dieser Marktanalyse wäre es allerdings schädlich, weiterhin den Holzverbrauch durch staatliche Förderprogramme zu forcieren. In dieser Marktsituation würden Fördergelder in Einkaufsvorteile der geförderten Branchen verschwinden und den Preisauftrieb nur verstärken. Dies gilt insbesondere für eine weitere Förderung der energetischen Nutzung. Die Situation, dass Betreiber einer Holzverbrennungsanlage dem Waldbesitzer mehr Geld für Industrieholz bieten kann als ein Papierhersteller oder Holzwerkstoffhersteller, ist nur auf den Fördervorteil zurückzuführen. Dies betrifft auch die indirekte Subvention durch das Stromeinspeisungsgesetz. Ein Überdenken der Förderpolitik ist daher unumgäglich. Diese Fördergelder werden sinnvoller eingesetzt in einer Mobilisierungsstrategie für Holz, vor allem in Konzepten, wie der „Rohstoffschatz“ im Kleinprivatwald zu heben ist.

Ein Kommentar zu “Thesen zur Holzversorgung in Deutschland”

  1. am 1. Dezember 2008 um 5:44 pm 1.Gütezeichen Brennholz schrieb …

    Neues RAL Gütezeichen…

    Am 26.11.2008 wurde vom RAL das neue Gütezeichen Brennholz an die Gütegemeinschaft Brennholz e.V. überreicht. In der online Presse wurde darüber mehrfach berichtet:

    Das offene PR Portal
    Bauen.com
    Wind Journal

    Eine ausführliche Darstellung der Pr…

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