Steigerung der Rohholzpreise in 2006
Geschrieben von Klaus am 3. Dezember 2007 | Abgelegt unter Holz
Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Ihnen im folgenden Kurzvortrag die Preisentwicklung auf den Rohholzmärkten darstellen. Seit knapp einem Jahr stellen wir auf den Roh-holzmärkten in Deutschland einen ausgeprägten Verkäufermarkt fest. Diese Situation hat es in den letzten 20 Jahren nicht mehr gegeben. Um Ihnen die Gründe für diese Entwicklung darzustellen, möchte ich etwas ausholen und Ihnen zunächst ein paar Grundsatzdaten über die deutsche Forst- und Holzwirtschaften nennen.
Die Holzproduktion in Deutschland
Die Waldfläche in Deutschland beträgt rund 11 Mio. ha, das entspricht 31 % der Staatsfläche. Deutschland ist damit eines der waldreichsten Länder in Europa. Der Holzvorrat in Höhe von 3,4 Mrd. m³ ist sogar der höchste in Europa. Fast die Hälfte der Vorräte befinden sich im Privatwald (46,7 %), die Staatswälder der Bundesländer (28,4 %) und der Körperschaftswald (19,5 %) sind zwei weitere bedeutende Besitzarten. Zwei Drittel des Waldes ist mit Nadelhölzern bestockt, ein Drittel mit Laubhölzern.
Die Ertragssituation der Waldbesitzer ist seit Ende der 80-er Jahren dramatisch. Der durchschnittliche Reinertrag im Staatswald schwankt seit dieser Zeit bis zum Jahr 2001 zwischen minus 68 €/ha und minus 200 €/ha, in den Jahren nach 2001 war das Defizit teilweise noch höher. Auch der Körperschaftswald zeigt seit 1990 fast durchgängig negative Reinerträge, nur die Betriebe des Privatwaldes haben durchweg leicht positive Zahlen.
Der Holzeinschlag hat seit 1990 kontinuierlich zugenommen, im Jahr 2005 wurden 57 Mio. m³ geerntet, das potentielle mögliche Rohholzaufkommen liegt bei 70 Mio. m³. Der Holzeinschlag in Deutschland könnte also nochmals um 13 Mio. m³ pro Jahr gesteigert werden, ohne die Regeln der Nachhaltigkeit zu verletzen. Diese Zurückhaltung beim Einschlag ist der Grund dafür, dass sich die Vorräte in Deutschlands Wäldern auf einem absoluten Rekordniveau befinden. Im industriellen Zeitalter hat es in Deutschland noch nie so hohe Vorräte stehenden Holzes gegeben wie heute.
Holz wird immer beliebter
Obwohl wir in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre eine rückläufige Baukonjunktur haben, ging die Holzverwendung nicht zurück, im Gegenteil der Holzeinschlag wurde in diesem Zeitraum, wie bereits erwähnt, kontinuierlich gesteigert. Die Gründe dafür liegen in einer abgekoppelten Entwicklung beim Holzbau und auch in einem gesteigerten Holzexport. Diese Entwicklung ist deshalb beachtlich, weil in der Vergangenheit die Tropenholzdiskussion und die Bewegung „Baum ab – Nein Danke!“ anderes hätten vermuten lassen. Trotz dieses Gegenwindes haben sich die technischen und ökologischen Vorteile des nachwachsenden Werkstoffes Holz bei den Verbrauchern durchgesetzt.
Die preisliche Entwicklung
Die Rohholzmärkte waren in den vergangenen 20 Jahren entweder ausgeglichen oder durch ein Überangebot geprägt. Die katastrophalen Sturmwürfe in den Jahren 1990 und 2000 haben die Entwicklung eines ausgeglichenen Marktes immer wieder behindert. Seit dem Sommer letzten Jahres ist die Situation völlig anders und durch einen Nachfrageüberhang geprägt. Es war in den letzten 20 Jahren noch nie so leicht, Rohholz zu verkaufen wie im Jahr 2006. Dieser abrupte Marktwechsel hat hauptsächlich 3 Gründe:
1. Der Energieholzboom: regenerative Rohstoffe sind seit dem Kyoto-Prozess sehr populär geworden, weil sie eine ausgeglichene Kohlendioxidbilanz aufweisen. Holz gehört zu diesen Rohstoffen. Das Stromeinspeisungsgesetz und zahlreiche Förderprogramme von Bund und Ländern haben zu einer enormen Investitionswelle in Holzverbrennungsanlagen geführt. Gefördert wurden sowohl große Heizkraftwerke als auch die Anschaffung von Holzverbrennungsanlagen in Einfamilienhäusern. Der Ölpreisschock Mitte 2005 hat dieser Entwicklung den letzten Kick gegeben. Viele Endverbraucher haben in dieser Zeit ihre Liebe zum Brennstoff Holz wieder entdeckt und die Nachfrage der großtechnischen Heizanlagen ist parallel dazu ebenfalls stark gestiegen. Zu den Energieholzsortimenten zählen das klassische Brennholz/Kaminholz, Hackschnitzel, Sägespäne, Holzpellets und Holzbriketts. Die Preissteigerung in diesem Marktsegment war mit am höchsten. Das klassische Buchenbrennholz kostet in Norddeutschland zur Zeit 32 – 34 Euro/Raummeter, vor einem Jahr hatten wir noch Preise von 24 – 26 Euro also eine Preissteigerung von 35 – 40%. Große Mengen des Industrieholzes fließen mittlerweile in die Holzverbrennung und nicht mehr in die stoffliche Verwertung in Holzwerkstoffe und Papier. Gespickt mit staatlichen Fördergeldern sind Betreiber von Holzheizkraftwerken in der Lage, höhere Preise zu bezahlen und haben damit maßgeblich zu einer Unterversorgung der holzverarbeitenden Industrie beigetragen.
2. Der Winter 2006: der kalte Winter im ersten Quartal diesen Jahres hat zu einer erheblichen Behinderung der Holzernte und der Holzabfuhr aus dem Wald geführt. Der Schnee blieb in den Mittelgebirgen sehr lange liegen und vielerorts war eine Holzabfuhr überhaupt nicht möglich. Diese Verschiebung der Holzbereitstellung ist im Jahresverlauf nicht mehr aufzuholen.
3. Der Kapazitätsausbau in der holzbe- und –verarbeitenden Industrie: hauptsächlich in Ostdeutschland unterstützt durch staatliche Fördergelder aber auch im Westen wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl an Investitionsprojekten in der Säge-, Holzwerkstoff- und Papierindustrie verwirklicht. Die anspringende Konjunktur hat seit 2005 zu einer zunehmenden Auslastung dieser neuen und auch der alten Industriekapazitäten geführt, so dass der Holzbedarf stetig anstieg. Viele Industrien sind zur Zeit nicht in der Lage ihre Kapazitäten auszulasten, weil der Rohstoff nicht in dem benötigten Maße zur Verfügung steht. Im Zuge der Rohholzpreisentwicklung sind natürlich auch die Preise der Holzhalbwaren angestiegen.
Wenn Sie meinen Ausführungen eingangs gefolgt sind, werden Sie sich fragen, warum der Waldbesitz bei dieser hervorragenden Nachfragesituation nicht mehr Holz einschlägt. Bei einer Einschlagskapazität von 70 Mio. m³ und einem Einschlag im 2005 in Höhe von 57 Mio. m³ ist noch ein erhebliches Nutzungspotential vorhanden. Das Nutzungspotential wurde im Zuge der Bundeswaldinventur 2 ermittelt. Das Problem ist, dieses Potential ist zur Zeit nicht zu mobilisieren. Die 13 Mio. „Reserve Festmeter“ stehen im Kleinprivatwald und in den Bu-chenwäldern. Das größte Problem ist der Kleinprivatwald, die Durchschnittsgröße beträgt 5 ha, die in der Regel auf mehrere Parzellen verteilt sind. Es gibt 450.000 Waldbesitzer mit einer Betriebsfläche von über 10 ha, Betriebe unter 10 ha werden nicht mehr als solche geführt, weil eine betriebswirtschaftlich rentierende Bewirtschaftung nicht mehr möglich ist. Die vielen kleinen Privatwaldbesitzer schlagen ihr Holz in der Regel nicht nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, also dann wenn der Preis am höchsten ist, sondern schlagen in vielen Fällen gar kein Holz. Ich behaupte sogar, dass viele Waldbesitzer in den Städten ihren Besitz, den der Opa vererbt hat, noch nie gesehen haben, geschweige denn an irgendeine Bewirtschaftung denken. Die organisierten Waldbesitzer in den 5.000 forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen sind noch am ehesten zu einem zusätzlichen Holzeinschlag zu bewegen. Aber auch hier wird die Mobilisierung nur allmählich und langsam möglich sein. Der komplette Staatswald und die meisten Körperschaftswälder sind bei ihrem Holzeinschlag an der Nachhaltigkeitsgrenze angelangt und können nicht mehr Holz liefern.
Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit den Holzreserven ist die Brennholznutzung. Der Holzeinschlag in Deutschland ist zum Teil geschätzt. Die Brennholznutzung durch Selbstwerber – d.h. Privatleute und Kleinunternehmer, die in Eigenregie Hölzer aufarbeiten – taucht in der Regel in keiner Einschlagstatistik auf. Es gibt Schätzungen aus Norddeutschland, dass sich diese Brennholznutzung in der Größenordnung 10 bis 20 % des Gesamteinschlages bewegt. Es ist also durchaus möglich, dass der Gesamteinschlag jetzt schon deutlich über diesen 57 Mio. m³ liegt, wenn man die wahre Brennholznutzung kennen würde.
Ausblick
Unter der wahrscheinlichen Annahme, dass der Gesamteinschlag in Deutschland auch nächstes Jahr nicht in Größenordnungen zu steigern ist, bleibt für die Preisentwicklung die Frage, wie sich die Nachfrage entwickelt. Andersherum, eine Entspannung an der Preisfront wäre nur bei einer verringerten Rohholznachfrage möglich. Durch die enorm gestiegenen Brennholzpreise könnte sich hier eine Entspannung abzeichnen. Die hohe Auslastung der Industrie könnte ebenfalls durch einen Rückgang auf den Exportmärkten zurückgeführt werden. Bei den stark angestiegenen Schnittholzexporten nach Amerika vermuten Experten, dass es zu einem Rückgang kommen könnte. Wahrscheinlicher bleibt aber das Szenario, dass auch nächstes Jahr ein Nachfrageüberhang bleibt und die Preisschraube damit weiter nach oben gedreht wird.
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