Orkan Lothar 1999 mit erschreckender Bilanz

Geschrieben von Klaus am 17. November 2007 | Abgelegt unter Holz

Der Orkan an Weihnachten 1999 hat im Süden Deutschlands sowie der Schweiz und in Frankreich zu umfangreichen Sturmwürfen in den Wäldern geführt. In dieser Region fielen 180 Mio. cbm Holz den extrem hohen Windgeschwindigkeiten zum Opfer. Ein Zentrum der Schäden bilden die Regionen Bayrisch-Schwaben, Schwarzwald (für Deutschland), Berner Land (Schweiz), Elsass und Lothringen. In dieser Region liegen nach den neuesten Schätzungen allein 70 Mio. cbm, das entspricht fast 2 Jahreseinschlägen der Bundesrepublik Deutschland. Dem Orkan „Lothar“ sind dabei nicht nur Nadelhölzer zum Opfer gefallen, sondern auch Buchen und Eichen, die in vielen Fällen einfach abgebrochen sind. Zwischen 10 und 20 % der geschädigten Wälder weisen gebrochenes, 80 – 90 % geworfenes Holz auf. Das geworfene Holz ist in der Regel verwertbar, Windbruch dagegen kann oft nur als Brennholz genutzt werden. Als Reaktion auf den Orkan hat der Bundeslandwirtschaftsminister auf Grundlage des Forstschäden-Ausgleichsgesetzes eine Verordnung erlassen, die den Holzeinschlag im laufenden Jahr für die Holzarten Fichte und Buche auf 75 % des normalen Hiebsatzes beschränkt. Diese Verordnung soll dazu dienen, dass das Holz aus den geschädigten Regionen in nicht geschädigte Regionen abfließen kann, es soll weiterhin zur Preisstabilität beitragen. Marktstabilisierend sollen auch die Anlage von Nasslägern wirken, die in Baden-Württemberg über 4 Mio. cbm Sturmholz aufnehmen sollen. Der Waldbesitz erhält Zuschüsse für die Wassereinlagerung und auch für den Transport ins Nasslager. Vorrangig aufgearbeitet wird z.Zt. die Buche, wobei Qualitäten unterhalb der Güteklasse B im Wald liegen bleiben sollen. Von den in Baden-Württemberg 4 Mio. cbm Laubholz die in den Wäldern liegen, werden höchstwahrscheinlich über 2 Mio. cbm liegen bleiben. Arbeitskräfte und Holzerntemaschinen aus ganz Deutschland, sogar aus Nordeuropa wurden in den letzten Wochen nach Süddeutschland verfrachtet, die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg musste zwischenzeitlich den Zustrom bremsen, da mittlerweile genügend Kapazitäten vorhanden sind. Gesucht werden nach wie vor Arbeitskapazitäten in Frankreich, der Gesamt-verband Holzhandel e.V. ist hier bei der Kontaktvermittlung behilflich. Das größte Problem bei der Bewältigung der Orkanfolgen zeichnet sich allerdings beim Abtransport des aufgearbeiteten Sturmholzes ab. Die DB Cargo ist nach bisherigen Erkenntnissen in der Lage pro Jahr 1 Mio. cbm Transportvolumen zu bewältigen, das sind gerade 4 % des Anfalls in Ba-den-Württemberg. Auch die Lkw-Kapazitäten dürften nicht ausreichen, um vor allem die erforderlichen Ferntransporte zu bewältigen. Wieviel Holz über Binnenschiffe abtransportiert werden kann, ist zur Zeit nur schwer abzuschätzen, für viele Verbraucher ist der Weg wahrscheinlich nicht gangbar, da das Holz zweimal umgeladen werden muss; nur wenige Verbraucher (Sägewerke) liegen an Wasserstraßen. Gerade in der Frage der Logistik kommt dem Rohholzhandel eine ganz entscheidende Bedeutung zu, da er das notwendige Know how und die erforderlichen Kontakte besitzt. Die Rundholzmärkte im Windwurfgebiet reagierten preislich recht schnell auf das Sturmereignis. Der Fichtenstammholzpreis in Süddeutsch-land ging bisher um ca. 20 % von 150 auf 120 DM/fm für das Leitsortiment Fichte Güteklasse B, 2b i.R. zurück. Überraschenderweise sind die Preisrückgänge bei der Buche mit 10 % geringer als erwartet. Der Buchenstammholzmarkt ist für bessere Qualitäten nach wie vor sehr aufnahmefähig. Für die Jahre nach dem Sturmwurf wird gerade in diesen Sortimenten mit Engpässen gerechnet, da gerade im Laubholz viele hochwertige Stämme dem Sturm zum Opfer gefallen sind. Trotz des hohen Sturmwurfanfalls erwarten indes norddeutsche Sägewerksverbände im Jahresverlauf Versorgungsengpässe für weit vom Schadensgebiet entfernt liegende Verbraucher. Dies liegt einerseits an den oben bereits erwähnten Problemen mit den Transportkapazitäten andererseits an der per Verordnung vorgeschriebenen Mindereinschlag. Das gedrückte Preisniveau im Sturmwurfgebiet hat zunächst auch in andern Regionen Deutschlands zu entsprechend reduzierten Preisgeboten für den Frischeinschlag geführt. Die norddeutschen Sägewerke möchten natürlich auch in den Genuss des günstigen Sturmholzes kommen und sind daher nicht mehr bereit die alten Preise anzulegen. Dies hat andererseits auch ohne Verordnung nach Forstschäden-Ausgleichsgesetz schon dazu geführt, dass der Waldbesitz aufgrund der gesunkenen Preisnagebote den Holzeinschlag in der Fichte reduziert hat. Es hat in der jüngeren Forstgeschichte der Bundesrepublik Deutschlands bereits mehrere Sturmwürfe gegeben, ein derartig hoher Sturmholzanfall auf eine enge Region begrenzt ist allerdings ein absolutes Novum und dürfte in Bezug auf die Marktentwicklung noch für Überraschungen sorgen.

Februar 2000

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