Gedanken zum Rohholzhandel

Geschrieben von Klaus am 19. November 2007 | Abgelegt unter Holz

Der Wettbewerb um die beste Logistikkette - Statement auf einer Sitzung der Fachabteilung Rohholzhandel 2002.

Logistik ist mehr als der Transport von Ware. Logistik ist gekennzeichnet durch drei Hauptfaktoren:

1. Güterströme
2. Informationsströme
3. Zahlungsströme

Die Rundholzkosten in der Industrie betragen 40% in der Holzwerkstoff- Papier- und Zellsoffindustrie und 60% in der Sägeindustrie.

Der Transport hat einen Anteil von 15-30 % an den Rundholzkosten, je geringwertiger das Sortiment, desto höher der Transportkostenanteil.

Es gibt drei im Wettbewerb liegende Logistikketten:

1. Handelslogistik: Walbesitz (frei Stock od. frei Waldstrasse) – Dienstleister bzw.
Rohholzhandel – Industrie (frei Werk)
2. Waldbesitzerlogistik: Walbesitz - Industrie (frei Werk)
3. Industrielogistik: Walbesitz (frei Stock od. frei Waldstrasse) – Industrie

Wenn man genau hinsieht, wird die Waldbesitzerlogistikkette und die Industrielogistikkette meistens ebenfalls als Handelslogistikkette praktiziert, weil rechtlich selbständige Tochterunternehmen eingesetzt werden. Beispiele sind die Waldmärker Logistik GmbH Uelzen, Lignis oder auf der anderen Seite SCA, oder die Einkaufsorganisation von Stora. Warum das so ist liegt klar auf der Hand, die Effizienz einer Logistik läßt sich so am besten entwickeln und messen.

Es ist davon auszugehen, daß sich alle drei Logistikketten mittelfristig paralell entwickeln werden. Ob es am Ende einen Sieger „als beste Logistikkette“ geben wird bezweifele ich ganz stark. Alle drei Ketten haben die gleichen Probleme zu bewältigen, ich behaupte, daß der Rohholzhandel mit seiner über Jahre gewachsenen, markterpropten Struktur mittelständischer Unternehmer in diesem Wettbewerb sehr gut abschneiden wird, wenn wettbewerbsverzerrende, marktpolitische, Fördermaßnahmen nicht zur Regel werden. Beispiele für solche Fälle sind die Übernahme von Geschäftsführergehältern von Logistikunternehmen durch Universitäten oder Landesforstverwaltungen (FBG Waldeck) oder die Förderung von Investitionen wie bei der WMG – 12 Sattelauflieger und eine Zugmaschine gefördert durch das Land Niedersachsen. Der Rohholzhandel hat seine Stärken in der Fachkompetenz, in der Risikoübernahme und in der Finanzierung.

Überall ist von den Möglichkeiten enormer Kosteneinsparpotentiale in der Logistikkette Wald – Werk die Rede. Behindert werden diese Entwicklungen häufig durch Verteilungskämpfe zwischen den Beteiligten um die Wertschöpfung in der Kette. Auf der Tagung in Ülzen war immer davon die Rede, man müsse sich zusammensetzten und die Hose runterlassen. Leichter gesagt als getan, aber eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unter den Beteiligten ist ein entscheidener Faktor zur Hebung der verborgenen Einsparungsschätze. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Investition in die erforderliche Technik, seien es Maschinen, Computer und Software. Um Schnittstellen zu minimieren, müssen einheitliche Standards geschaffen werden. Weiter wichtig ist die Finanzierung der Logistik. Der Waldbesitzer erhält sein Geld i.d.R. vor der Abfuhr, die Industrie benutzt den Lieferanten zunehmend als „Bank“, weil auch Sie Ihr Umlaufvermögen in verlängerten Zahlungszielen Ihrer Kunden gebunden hat. Durch Basel II wird sich dieses Problem verschärfen, die Banken wollen bei Mittelstandskrediten eine höhere Rendite, die Kredite an Mittelständler werden abnehmen. Das Schultern der Zahlungsströme in der Logistikkette wird ein zunehmend wichtiger Faktor.

Zu einer optimalen Logistik gehört das Werkseingangsmaß, sei es fm oder t-atro. Jeder hat auf diesem Gebiet schon schlechte Erfahrungen gemacht, teils sehr schmerzhafte. Der Rohholzhandel arbeitet seit Jahren mit diesen Maßen und hat auch hier ein hervorragendes Know-How und Erfahrung. Neueinsteiger und große Organisationen tun sich mit diesem Maß häufig sehr schwer, der Rohholzhandel ist sowohl für den Waldbesitzer als auch für die Industrie ein verlässlicher Partner weil er einerseits dem Waldbesitzer häufig das Maßrisiko abnimmt, anderseits der Industrie einen kalkulierbaren Rohstoff anbietet.

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