Funktionen des Rohholzhandels
Geschrieben von Klaus am 4. Dezember 2007 | Abgelegt unter Holz
Gedanken zur Funktion des Rohholzhandels
Die alte Generation der Rohholzhändler ist vielfach geprägt durch starke Persönlichkeiten mit ausgeprägtem Verhandlungsgeschick. Auch die neue Generation läßt diese Eigenschaften nicht missen, ist sich aber bewußt darüber, daß sie sich nicht alleine darauf verlassen kann, um das Geschäft für die Zukunft zu sichern. Es stellt sich zunehmen die Frage nach der konkreten Dienstleistung.
Früher profitierte der Rohholzhändler sehr stark von seinem Insiderwissen und den intensiv gepflegten Kontakten zu den Lieferanten - dem Waldbesitz - einserseits und vor allem den Kunden aus der Säge- Holzwerkstoff- und Papierindustrie andererseits. Die Bedeutung der persönlichen Kontakte hat etwas abgenommen - darf aber nach wie vor nicht unterschätzt werden -, der Wissensvorsprung ist in einer wachsenden Kommunikationsgesellschaft stark geschrumpft.
Was ist ein Rohholzhändler eigentlich? Der Rohholzhändler kauft Rohholz beim Waldbesitz ein und verkauft es an die holzbe- und verarbeitende Industrie. Im Prinzip ist das ganz einfach, stellt sich aber bei genauer Betrachtung recht schwierig dar, wenn man die variablen Faktoren betrachtet: Die Industrie (der Kunde) möchte ein möglichst geringes Lager fahren, braucht aber eine kontinuierliche und recht gleichmäßige Belieferung über das ganze Jahr. Der Waldbesitz produziert auf Grund der spezifischen forstlichen Besonderheiten in vielen Sortimenten unregelmäßig mit ausgeprägten Jahresspitzen. Der Rohholzhandel gleicht diese Unregelmäßigkeiten zwischen Produktion und Bedarf aus.
Der Rohholzhandel wurde in der Vergangenheit immer wieder totgeredet, da er angeblich keine Funktion hat. Das ist falsch. Die Funktion die der Rohholzhandel ausübt, ist in der Logistikkette zwischen Produzent und Verbraucher erforderlich. Die einzige Frage die sich stellt ist die, wer die Funktion ausübt. Dieses kann der Produzent - der Waldbesitz -, der Kunde, also die holzbe- und verarbeitende Industrie oder aber eine externe Institution in der Kette wie der Rohholzhandel. Die Industrie hat diese Funktion in der Vergangenheit stärker ausgeübt durch direkten Einkauf, zieht sich aber in den letzten Jahren zunehmend zurück im Zuge des Trends nach Outsourcing, mit zunehmendem Kostendruck, und im allgemeinen Trend in der Indsutrie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Dieser Trend ist der eigentliche Motor für die festzustellende Belebung der Rohholzhandelsfunktion in den letzten Jahren.
Der Waldbesitz hatte schon immer eine ambivalente Einstellung gegenüber dem Rohholzhande. In Zeiten schlechten Absatzes war der Händler natürlich gerne gesehen, wenn er nicht verkaufbare Sortimente aufgenommen hat. Verkaufte er sie aber im Inland, ergaben sich sofort Begehrlichkeiten direkt zu vermarkten. Es wurde von Vertretern des Waldbsitzes daher die Funktion des Rohholzhändlers darin gesehen, das Holz ins Ausland zu verbringen - also zu exportieren. Diese Funktion hat der Rohholzhandel auch immer wieder ausgeübt, besonders in Zeiten von Großkalamitäten. Der Rohholzhandel hat die Exportmärkte in Südeuropa, Nordeuropa und neuerdings auch in Asien erschlossen. Aber es gibt auch Vertreter des Waldbesitzes die selbst diese Funktion delegieren und den Export selbständig organisieren. Auch wenn die Funktion des Handels gerade vom Waldbesitz am häufgsten angezweifelt wird, ist er bisher dennoch nicht in der Lage sie selber auch auszuüben. Der Waldbesitz liefert nämlich nicht frei Werk (zumindest bisher nur in ganz seltenen Fällen). Er ist also nicht bereit die Handelsfunktion auszuüben, sondern erwartet, daß es der Kunde tut. „Eine Stufe dazwischen verteuert nur das Produkt, da der Händler ja seine Spanne braucht“ ist ein häufiges Vorurteil. Dieses Denken kann nur als ideologisch bezeichnet werden und ist besonders beim Staatsforst sehr ausgeprägt. Meine These: Der Waldbesitz hat kein Verständnis für den Handel, weil der eine Funktion ausübt, die der Waldbesitzer kaum kennt, weil er sie i.d.R. nicht ausübt.<!–[if !supportEmptyParas]–> Natürlich könnte der Waldbesitz diese Funktion erfüllen und letztendlich frei Werk liefern - zumindest ist dies theoretisch denkbar. Ein mittelgroßer Privatwaldbesitzer mit beispielsweise 10.000 ha Wald wird sich hier allerdings schwer tun. Nehmen wir einmal an, dieser Waldbsitzer hätte 60.000 fm Rohholz anzubieten. Diese Menge verteilt sich dann auch noch auf die verschiedensten Sortimente und es dürfte sich in den meisten Fällen ein Angebot über alle Rohholzsortimente ergeben. Für diesen Waldbesitzer ist eine frei Werklieferung über alle Sortimente nicht möglich. Er wird dem Spezialisten immer unterlegen sein. Es wird sich in vielen Fällen überhaupt die Frage stellen, ob er als Lieferant für bestimmte Industriekunden überhaupt in Frage kommt.
Demgegenüber hätte eine Landesforstverwaltung auf jeden Fall die geeignete Größe und auch die erforderlichen Mengen, um frei Werk zu liefern. Die Finanzierung wäre auch kein Problem (aus Steuergeldern). Die Landesforstverwaltungen als öffentliche Haushalte mit Beamten als Personal sind nach langjährigen Erfahrungen so unflexibel, daß auch diese Möglichkeit meistens nicht funktionieren dürfte.
Klaus Kottwitz Dezember 2001
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